Angeln auf Distanz

Wann muss man weit Werfen?

An meinen Gewässern in der Umgebung zum Beispiel herrscht ein hoher Angeldruck und das Angeln mit dem Boot ist fast überall untersagt.


Das bedeutet die Fische halten sich vermehrt außerhalb der bequem erreichbaren Wurfweite auf. Die interessanten Spots beginnen also erst außerhalb der Komfortzone. Und darum geht es. Angeln außerhalb der Komfortzone, um die interessanten Spots zu erreichen. Es geht also oftmals auch darum den ein oder anderen Meter mehr rauszuholen. Und darum soll es in diesem Blog gehen.



Schnur

Bei der Wahl der Schnur gilt: „So dünn wie möglich, so dick wie nötig“. Je dünner die Schnur, desto weiter kannst du werfen. Allerdings muss man auch Abwegen welche Dicke von Nöten ist, um den Fisch sicher zu landen. Dabei geht es nicht um die Größe der Fische, sondern um die Beschaffenheit des Gewässers. Die Art und Dicke der Schnur muss also an die Art und Menge der Hindernisse angepasst werden.

Hauptschnur
Monofile Hauptschnur, optimal für weite Würfe

In meinen Gewässern gibt es viele Sandbänke und viel Kraut. Dementsprechend nutze ich eine 0,38mm dicke monofile Schnur, um Druck aufbauen zu können und damit sie ein wenig Abrieb verträgt. Wenn nur das Kraut zum Problem wird nutze ich meistens eine 0,22mm dicke geflochtene Schnur. Wenn Hindernisse kein Problem darstellen kann man auch eine geflochtene Schnur von 0,18mm oder eine monofile Schnur von 0,30mm verwenden. Je nach Gewässer geht sogar noch weniger.



Schlagschnur

Weite Würfe erfordern viel Kraft. Die ersten Meter müssen also ordentlich was aushalten. Deshalb nutze ich eine Schlagschnur.

Schlagschnur
Monofile und geflochtene Schlagschnur

Optimal ist eine 0,26mm geflochtene Schlagschnur, weil sie keine Dehnung aufweist und sich die Rute somit maximal aufladen lässt. Eine monofile Schlagschnur kommt bei mir nur zum Einsatz, wenn sie vor Abrieb schützen muss. Mehr dazu findet ihr in unserem Blogbeitrag zum Thema Schlagschnur.



Rolle

Die Wahl der Rolle sollte nicht zu klein ausfallen. Hierfür sind Big-Pit-Rollen mit einem großen und breiten Spulenkopf empfehlenswert. Man sollte auch darauf achten, dass die Rolle nicht zu schwer ist. Optimal ist ein Gewicht unter 600g. Damit die Schnur gut von der Rolle fliegt, sollte man nicht zu wenig Schnur aufspulen. Zu viel kann allerdings schnell dazu führen, dass sich die Schnur beim Werfen überschlägt. Für weite Würfe nutze ich momentan die Vantage XT 8000 von Penn mit einem Gewicht von 582g

Rolle
Big Pit Rolle mit großem Spulenkopf


Ruten

Auch hier gilt: „So weich wie möglich, so steif wie nötig.“ Je weicher eine Rute ist, desto besser dämpft sie die Kopfschläge ab. Darauf muss man besonders achten, wenn man mit geflochtener Schur angelt. Für weite Würfe sind Ruten von 12ft – 13ft mit einem Wurfgewicht von 3,5Lbs – 4Lbs zu empfehlen. Wobei 4Lbs schon sehr steif sind und die Kopfschläge ziemlich schlecht abfedern.

Mit einer 13ft / 3.90m langen Rute kann man weitere Distanzen erreichen, als mit einer 12ft / 3.60m langen Rute. Eine 13ft Rute lässt sich gerade am Anfang allerdings etwas schlechter Händeln und bedarf etwas Übung. Zudem braucht man am Spot auch mehr Platz, um ausholen zu können.

Ruten auf Setup
13ft für die Extra-Meter

Aktuell nutze ich die Combat Classic X in 13ft und 4lbs. Mit ihr gelingen mir Wurfweiten über 100m und bietet trotzdem gute Drilleigenschaften. Für noch weitere Würfe nutze ich gerne die Prologic C3 Fulcrum Fs in 12ft und 3,5Lbs.



Blei

Um mit einer 3,5Lbs Rute weit werfen zu können, halte ich ein Gewicht von 100 bis 120g für optimal. Ich nutze meistens Bleie mit einem Gewicht von 4 Unzen / 113g. Damit kann ich die Rute perfekt aufladen.

Verschieden Bleiformen
Für maximale Reichweite nutzt Niklas ein Weitwurfblei

Um noch ein paar Meter rauszuholen, sollte man auch auf die Form des Bleies achten. Das Blei sollte so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten, schmal sein und spitz am Ende zulaufen, damit so wenig Luftwiderstand wie möglich entsteht.



Montage

Auch die Montage kann man für das Werfen auf weite Distanzen optimieren. Inline- und Safety-Clip-Montagen funktionieren auch gut, sind aber nicht optimal und haben einen höheren Luftwiderstand als das Helicopter-Rig. Beim Helicoter-Rig fliegt nämlich das Blei voraus und das Hakenvorfach liegt fast schon an der Hauptschnur an.

Kleiner Köder – Große Wirkung

Dabei ist es ebenfalls wichtig steif durchgebundene Rigs zu fischen, damit sich nichts verheddert. Mehr geht eigentlich nicht. Das einzige was man dann noch optimieren kann ist die Ködergröße. Je kleiner der Köder, desto weniger Angriffsfläche. Ich würde also lieber zwei 16er Boilies fischen, als einen 20er, wenn es um jeden Meter geht.



Füttern

Auch auf langen Distanzen soll Futter liegen. In diesem Fall macht es Sinn eine extra Rute zum Spodden zu haben. Eine Spodrute also. Mit dieser muss man keine Fische drillen. Das bedeutet man kann eine dünne Schnur wählen und die Rute darf gerne über 5Lbs Wurfgewicht haben.


Wichtig ist auch darauf zu achten, welche Größe man bei den Futterraketen wählt. Um Distanzen über 100m zu erreichen wechsle ich in der Regel von der großen auf die mittlere Variante. Denn diese bietet einen geringeren Luftwiderstand und das Gewicht überlädt die Rute beim Werfen nicht.

Futter Boilies
Für maximale Distanzen wechselt Niklas auf eine kleinere Rakete


Technik

Eins sei vorab gesagt, meine Technik ist ganz bestimmt noch nicht ausgereift, aber ein paar Tipps habe ich dann doch für euch. Beim Werfen muss eine Hebelwirkung entstehen. Die erreichst du nicht indem du deine Hand, die sich am Rollengriff befindet, nach vorne schiebst. Um eine Hebelwirkung zu erreichen muss genau diese Hand am besten durchgestreckt bleiben und die Hand am Rutengriff ziehst du in die Richtung deines Körpers. Im Grunde genommen sieht das bildlich aus wie bei einem Katapult.


Man kann sich merken, dass jede Bewegung, die nach vorne ausgerichtet ist, dazu beihilft an Distanz zu gewinnen.Das erreicht man zum Beispiel, indem man 1 bis 3 Schritte nach vorne macht und man auch seinen Körper nach vorne bewegt.

Einen wichtigen Hinweis habe ich noch für euch: Benutzt unbedingt einen Fingerschutz und erspart euch tiefe Schnittwunden und hässliche Narben! Meine Leichtsinnigkeit führte schon das ein oder andere Mal zum Abbruch der Session. Also passt auf euch auf.

Es gibt sicherlich noch mehr Tipps, aber das sind die Grundlagen auf die ich achte, um Distanzen außerhalb der Komfortzone zu erreichen.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Petri Heil am Wasser!