Zielfischangeln mit Simon

5 Tipps für den Zielfisch

Hallo liebe CarpForce-Blog-Community,

Wochen, Monate, sogar Jahre – Tag ein, Tag aus das Ziel vor Augen, den Fokus geschärft. Die Sinne im Tunnel der Routine. Füttern, Fischen, Füttern, Fischen … Repeat.

Bis endlich der ersehnte Biss kommt und man sich für all seine Strapazen, Kosten, Mühen und Selbstgeißelungen belohnen kann.

Na? Wer von euch erkennt sich da wieder?

Jeder von uns fängt gerne große Fische, keine Frage! Dennoch vermute ich mal, dass die wenigsten von uns „Normalo-Karpfenanglern“ wirklich reine Zielfischangler sind. Wir gehen angeln, wenn die Zeit – oder die Frau – es uns erlaubt, füttern vielleicht ein paar Mal an einem unserer Lieblingsplätze vor und freuen uns, wenn wir nicht blanken.

Aber jeder von uns kennt auch die Topfische seines Gewässers. Und insgeheim würde natürlich jeder von uns auch gerne einmal derjenige sein, der den einen Fisch im See fängt, den alle wollen.

Unser Zielfisch ist schnell gefunden

In diesem Beitrag soll es nun genau um dieses Thema „Zielfisch“ gehen – und darum, wie ihr eure Chancen auf diesen verbessern könnt.

Zuerst einmal möchte ich vorwegnehmen, dass ich hier lediglich auf besonders große Fische als Zielfische eingehe. Natürlich kann auch ein 20-pfündiger-Zeiler, der euch noch in eurer Sammlung fehlt, euer Zielfisch sein. Doch hier wird es noch einmal um ein Vielfaches schwieriger, diesen gezielt aus dem Bestand herauszuselektieren.

Punkt 1: Fakten und Wissen

Angenommen, wir haben von einem großen Karpfen in unserem neuen Vereinsgewässer gehört und wollen uns diesen jetzt vornehmen – dann sollten wir immer vorab versuchen herauszufinden, ob es den Giganten tatsächlich gibt. Und wenn ja: ob er noch lebt. Wann wurde er das letzte Mal lebend gesehen? Und schwimmt er auch wirklich noch in dem Gewässer?

Ein neuer Zeilfisch
Ein großer Fisch wurde im Gewässer gefangen. Schnell macht das Gerücht die Runde…

Idealerweise habt ihr zuverlässige Quellen und könnt recht schnell bestätigen, dass tatsächlich in eurem Vereinssee ein Monster wohnt.

Punkt 2: Recherche!

Versucht vorab, so viele Infos wie möglich über den Fisch und seine Gewohnheiten herauszubekommen. Sprecht freundlich mit Kollegen, idealerweise auch mit ehemaligen Fängern.

Austausch mit anderen Anglern
Sucht das Gespräch mit anderen Anglern, die den Zielfisch bereits kennen oder noch besser gefangen haben

Fragt nicht nach persönlichen Details. Keiner möchte gerne sofort sein komplettes Nähkästchen ausschütten. Versucht eher, in lockeren Gesprächen zwischen den Zeilen wertvolle Infos herauszufiltern.

Grundsätzlich interessante Fakten sind zum Beispiel:

  • ungefährer Zeitraum des Fangs: Jahreszeit, Wetter, Luftdruck, Windrichtung, Mondphase etc.
  • das Areal des Gewässers
Idealerweise hast du Kontakt zu ehemaligen Fängern und kannst dich austauschen

Niemand wird euch direkt die Koordinaten für den perfekten Erfolgsspot nennen. Aber grob zu wissen, wann und zu welcher Jahreszeit der Topfisch wo im See unterwegs ist, ist schon mal ein guter erster Anhaltspunkt.

Punkt 3: Mit eigenen Augen

Ihr seid also auf einer Mission …

Daher macht es natürlich auch Sinn, sich so vieler technischer Hilfsmittel wie möglich zu bedienen. Eine Drohne gehört mittlerweile fast schon zum Standardrepertoire und kann uns wertvolle Übersichten und Erkenntnisse liefern.

An sonnigen, windschwachen Tagen bekommt man mit dem fliegenden Auge sehr schnell einen Überblick über den Karpfenbestand im See. Idealerweise finden und beobachten wir dabei bereits unseren Topfisch.

Location aus der Luft
Wollen wir unsere Chancen optimieren, kommen wir fast nicht mehr umher, alle Arten von technischen Hilfsmitteln zu nutzen. Eine kleine Drohne kann bei der Zielfischangelei der absolute Game Changer sein

Wir lernen ihn kennen und beobachten, wie er sich gegenüber seinen Artgenossen verhält. Schwimmt er mit im Schwarm, in kleinen Gruppen oder ist er vielleicht der Einzelgänger, der abseits vom Trubel alleine unterwegs ist?!

Alternativ zur Drohne könnt ihr natürlich auch mit der Polbrille und dem Fernglas von Bäumen oder erhöhten Ufern aus die Fische beobachten und euer Ziel anvisieren.

Punkt 4: Der Angriff

Habt ihr also eure Hausaufgaben gemacht und die gesammelten Informationen ausgewertet? Wisst ihr, dass der Fisch noch bei bester Gesundheit im Gewässer vorhanden ist?

Habt ihr ihn idealerweise sogar selbst bereits aus der Luft beobachtet und zusätzlich glaubhafte Infos zu vergangenen Fängen – Jahreszeit und Areale – gesammelt?

Dann seid ihr bestens gerüstet für den nächsten Schritt.

Der Plan steht, das Areal ist gefunden.

Natürlich ist es jedem selbst überlassen, welche Deutungen er aus den gesammelten Infos zieht. Daher kann ich in diesem Fall natürlich nur für mich sprechen und lediglich auf das Vorgehen an meinen Gewässern Bezug nehmen.

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, wie wir auf unser Ziel vorrücken können.

1. Wir wissen, wo er sich aufhält

Wir haben ihn mehrfach gesehen – idealerweise sogar beim Fressen beobachtet.

Dann ist die selektivste Variante, ihn einfach aktiv zu stalken.

Kleine Mini-Futterplätze, eine Handvoll gecrushter Infernos und ein kleiner Peach Pop-Up auf Sicht unter seinem Lieblingsbusch.

2. Wir kennen sein bevorzugtes Areal

Vielleicht können wir es auf eine Bucht, ein Plateau, eine tiefe Kante oder eine Rinne eingrenzen.

Dann würde ich als Nächstes in dem anvisierten Areal nach Plätzen suchen, an denen idealerweise wenig oder gar kein Angeldruck herrscht.

Location mit Polbrille
Jetzt suchen wir uns ein schönes kleines Plätzchen, dass möglichst wenig von anderen Anglern frequentiert wird

Meine Taktik wäre es zunächst, sehr großflächig zu füttern. Nicht unbedingt eine große Menge, sondern wirklich recht weitläufig. Vielleicht 5–8 Kilo Boilies auf 50 × 50 Metern oder mehr.

Eimer mit Boilies
Anfangs füttere ich sehr großflächig, um die Chance zu erhöhen, dass unser Zielfisch irgendwo auf mein Futter trifft

Dann würde ich nach und nach langsam den Radius verkleinern und mich später auf die tatsächlich zu befischenden Spots konzentrieren.

Jetzt heißt es attraktiv und gezielt vorgehen

Punkt 5: Nicht den Fokus verlieren

Ab jetzt ist es wieder ein routiniertes Geduldsspiel.

Wann der Zielfisch kommt, kann keiner sagen.

Eure Chancen stehen aber um ein Vielfaches besser als vorher.

Wichtig ist: Versteift euch nicht zu sehr!

Der lang ersehnte Zielfisch endlich im Kescher

Kontinuität und Fokus sind gut und wichtig. Aber wenn der Zielfisch nicht mehr in dem Areal ist, muss man auch nicht auf Biegen und Brechen an seinem Futterplatz festhalten.

Gebt euch ein Zeitlimit für einen Bereich des Gewässers.

Wurde der Fisch im Frühjahr vor der Laichzeit in einer großen, flachen Bucht gefangen und konntet ihr ihn dort sogar schon mit der Drohne beobachten, macht es drei Monate nach der Laichzeit eventuell keinen Sinn mehr, an diesem Platz festzuhalten.

Dann lieber den Fokus neu ausrichten und erneut mit frischem Elan an einem anderen Seeteil angreifen.

Fazit

Und bitte verfallt nicht in Depressionen, wenn ein anderer Angler zufällig vor euch den Zielfisch fängt.

Das kann immer passieren, denn diese Fische sind nicht ohne Grund so groß. Sie müssen eben auch viel fressen.

Und wir alle wissen: Bei sachgemäßer Behandlung fressen gefangene Karpfen recht schnell wieder.

Also macht eure Hausaufgaben und holt euch euren Topfisch!

Zielfisch auf den Armen
Die Freude über den langersehnten Lohn ist immens. Ein uralter Charakterfisch namens „Gandalf“ gab uns die Ehre

Cheers
Simon

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