Wofür braucht man monofile Schlagschnur?
Abrieb
Monofile Schlagschnur bietet eine hohe Abriebsfestigkeit und soll in hindernisreichen Gewässern vor Abrissen im Drill schützen. Vor allem bei Muschel- und Sandbänken spielt sie ihre Stärken aus. Eine Gefahr des Abrisses besteht auch an Totholz oder dichtem Kraut. Daran haften oftmals kleine fiese Dreikantmuscheln, die bei einer zu dünnen Schnur meistens kurzen Prozess machen. Schnell fällt auf, dass die eben genannten Risikogebiete in nahezu jedem Gewässer als Top-Spot gelten, da die Karpfen dort nach Nahrung oder Versteckmöglichkeiten suchen. Dementsprechend führt oftmals kein Weg an der Schlagschnur vorbei, wenn man seinen Fisch sicher im Kescher landen möchte.

Dehnung
Auch die Dehnung kann entscheidend sein, ob der Fisch aussteigt oder im Kescher landet. Bei einer monofilen Hauptschnur spielt dieser Punkt eher keine Rolle. Geflochtene Schnur dagegen weist keine Dehnung auf und federt somit auch keine Kopfschläge des Fisches ab. Wenn man dann noch eine steife Rute verwendet, um auf weite Distanzen werfen zu können, sollte man darauf achten, dass Kopfschläge ausreichend abgefedert werden. Dies kann man mit einer monofilen Schlagschnur erreichen. Um zu verdeutlichen wie viel Dehnung eine monofile Schlagschnur bei einer bestimmten Zugkraft aufweist, habe ich ein kleines Experiment durchgeführt und folgende Ergebnisse kamen dabei heraus:
Bei 4m Schlagschnur dehnt sich die Schnur bei
- 300g 2cm
- 500g 4cm
- 750g 5,5cm
- 1000g 7cm
- 1500g 13cm
- 2000g 19cm
- 2500g 26cm
Also, wenn der Kopfschlag eines Karpfens ca. eine Zugkraft von 300g aufweist, gibt die Schlagschnur ca. 2cm nach. Bei einer durchgehend geflochtenen Schnur müsste diese Kraft allein die Rutenspitze abfedern.
Zu beachten ist jedoch, dass nicht jede Schlagschnur die gleiche Dehnung hat. In meinem kleinen Experiment habe ich den Density Leader von Prologic genutzt.

Welche Dicke?
Welche Dicke man wählen sollte hängt von der Art der Hindernisse ab und ob man wirft oder mit dem Boot auslegt. Man muss also einschätzen wie stark die Schnur eventuell durch das Hindernis im Wasser beschädigt wird. Außerdem wird die Wurfweite verringert, je dicker die Schnur ist. Wenn man also nicht gerade mit dem Boot ablegt, muss man entscheiden wie dick die Schnur mindestens sein muss, um den Fisch sicher landen zu können.
Ich nutze in der Regel eine 0,60 mm dicke Schlagschnur. Sie Schützt ausreichend vor Sandbänken und Dreikantmuscheln im Kraut. Außerdem erreiche ich beim Werfen Distanzen über 100 Meter.
Bei großen Muschelbänken oder anderen scharfen Hindernissen macht allerdings eine dickere Schlagschnur durchaus Sinn.

Wie lang?
Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei der Wahl der Schnurstärke. Je mehr Schlagschnur, desto geringere Wurfweiten werden erzielt. Die Länge zu erhöhen macht vor allem dann Sinn, wenn sich zwischen dir und deinem Spot Hindernisse befinden. Zum Beispiel, wenn du auf 80m fischst und sich auf 50m eine flache Sandbank befindet. Dementsprechend sollte man ca. 35m Schlagschnur nutzen oder die Dicke der Hauptschnur erhöhen. Eine geflochtene Schnur sollte auf jeden Fall nicht in die Berührung damit kommen.
In meiner Angelei nutze ich meistens ca. 4,5m Schlagschnur, um Distanzen über 100m erreichen zu können.
Welche Knoten?
In meiner Angelei haben sich 3 Knoten etabliert. Ich nutze sie, um geflochtene und auch um monofile Hauptschnur mit einer dicken Schlagschnur zu verbinden.
Der einfachste ist wahrscheinlich der
Mahinknoten. Die Anleitung dazu findet ihr übrigens in einen unserer Blogs. Der Mahinknoten verjüngt nach vorne hin und beide Schnurenden stehen nach hinten ab. Er gewährleistet also ein gutes Gleiten durch die Ringe.
Der Albright-Knoten lässt sich ebenfalls gut binden und die dicke Schlagschnur muss nicht geknotet werden. Dieser Knoten ist also ziemlich schmal und gleitet ebenfalls gut durch die Ringe. Da die Schnurenden jedoch in beide Richtungen zeigen, müssen sie ziemlich knapp abgeschnitten werden.
Neuerdings nutze ich auch den FG-Knoten. Dieser lässt sich etwas schwerer binden, ist jedoch sehr schmal und verjüngt nach vorne hin.

Worauf beim Werfen achten?
Beim Angeln mit dicker Schlagschnur kommt es beim Werfen schnell zu Abrissen. Daher habe ich mir vor jedem Wurf eine Routine eingeprägt, um das Risiko stark zu verringern. Am wichtigsten ist es, dass der Schlagschnurknoten immer unter der restlichen Schlagschnur ist, damit die dicke Schlagschnur nicht über den Knoten rutschen muss. Bevor ich werfe zupfe ich mit meinem Finger an der Schnur und teste wie gut sie durch die Ringe gleitet. Wenn es etwas schwerer geht, halte ich die Rute kurz unter Wasser und befeuchte somit alle Rutenringe, dann gleitet die Schnur deutlich besser. Außerdem achte ich beim Zusammenstecken der Rute darauf, dass die Ringe gerade sind. Wenn es dennoch dazu kommen sollte, dass die Schnur sich in den Ringen verheddert, kann es passieren, dass das 2. Rutenteil abfliegt. Dementsprechend teste ich alle paar Würfe, ob die Rute ordentlich zusammengesteckt ist.

Durch die Dehnung der Schlagschnur kann sich die Rute beim Wurf nicht so gut aufladen wie bei dehnungsarmer Schnur. Wenn es die Begebenheiten unter Wasser zulassen, schalte ich manchmal nur so viel Schlagschnur vor meiner geflochtenen Hauptschnur, dass sie am Spitzenring endet.
Rigs mit Schlagschnur binden

Um mein Spinner-Rig oder IQ-D-Rig zu binden spar ich mir das Vorfachmaterial und nutze dafür meine Schlagschnur.

Wenn ich auf Kraut fischen möchte setze ich auf das Chodrig. Dieses binde ich nicht mit Leadcore, sondern ziehe 2 ziemlich enge Perlen auf meine Schlagschnur, fädle dazwischen einen Schnellwechselwirbel auf und befestige am Ende der Schnur das Blei an einem Wirbel. Der Vorteil bei dieser Montage ist die leichte Schlagschnur. Wenn ich die Schnur beim Ablegen der Rute nicht spanne, legt sich die Montage auch auf hohem Kraut ab. Um die Sicherheit des Fisches zu gewährleisten, sollte man darauf achten, dass entweder das Blei ausklingt oder die Perle und der Schnellwechselwirbel über den Schlagschnurknoten rutschen können.

Fazit
Gerade beim Werfen kann die Schlagschnur extrem lästig werden, hilft uns aber dabei den Fisch sicher zu landen.